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Mit dem Ende des Frankreichfeldzuges war die Ablösung derMilitärverwaltung durch ein Reichskommissariat nur noch eine Frage der Zeit. Am 21. Juli 1940 wurde Gustav Simon zum Chef der Zivilverwaltung in Luxemburg bestimmt. Er unterstand vorerst dem Militärbefehlshaber in Belgien und Nordfrankreich. Durch geheimen Führererlaß vom 2. August 1940 wurde dies aufgehoben. Simon unterstand damit unmittelbar dem Führer und erhielt von ihm Weisungen und Richtlinien. Luxemburg sollte so schnell wie möglich eingedeutscht werden. Die Bevölkerung sollte ganz und gar nationalsozialistisch ausgerichtet werden. Nichts dürfe die Politik des CdZ behindern. Simon war allein vor Hitler verantwortlich und konnte in Luxemburg nach eigenem Gutdünken handeln. Die Bevölkerung mußte germanisiert und nazifiziert werden. Der Staat Luxemburg mußte also aufgelöst werden und ins Reich eingegliedert werden. Das Großherzogtum wurde somit Bestandteil des Gaues Moselland. War Simon im Zivilen allmächtig, so unterstand Luxemburg bis zum 1. November 1940 im Militärischen dem Militärbefehlshaber, danach war es wie das übrige Deutschland dem Befehlshaber für das Ersatzheer unterstellt. Am Tag seines Amtsantritts, am 6. August 1940 nahm Simon auf der "Place d'Armes" eine Parade 800 deutscher Polizisten ab. Die neuen Polizeikräfte sollten in Luxemburg für Recht und Ordnung im nationalsozialistischen Sinne sorgen. Bei seiner Antrittsrede unterstrich Simon sein Ziel Luxemburg wieder einzudeutschen und die französische Firnis abzustreifen. Simon war überzeugt, daß Luxemburg deutsch sei und es weiter bleiben werde. Nur noch die deutsche Sprache durfte angewandt werden. Am folgenden Tag erschienen die ersten Plakate gegen den Luxemburger Dialekt, "Schluß mit dem fremden Kauderwelsch" und gegen das "verniggerte" Französisch. Straßen wurden umbenannt und hießen z.B. Adolf-Hitler-Straße. Alle Hausanschriften mußten sofort auf deutsch umbemalt werden. Familiennamen, Vornamen mußten umgedeutscht werden. Höflichkeitsformeln, wie "merci" und "bonjour" waren verboten. Wer zuwiderhandelte wurde unter Druck gesetzt und streng bestraft. Im Unterricht wurde Französisch vorerst zur Fremdsprache, um dann später ganz abgeschafft zu werden. Das Großherzogtum sollte schnellstmöglich gleichgeschaltet werden. Der Luxemburger Staat mußte also aufgelöst werden, die Strukturen des nationalsozialistischen deutschen Reiches wurden eingeführt. Die Errichtung der Zivilverwaltung schuf einen neuen Rechtszustand mit alleiniger Gehorsamspflicht gegenüber dem CdZ. Die Luxemburger waren jeder Treuepflicht gegenüber der Großherzogin entbunden. Luxemburg, als eigenständiges Land, war endgültig abgeschafft. Die administrative Einteilung wurde neu geordnet. Am 10. August 1940 wurden moselländische Kreisleiter für die 4 neuerrichteten Kreise, Luxemburg-Stadt, Luxemburg-Land, später Esch/Alzig, Diekirch und Grevenmacher ernannt. Die großen Industriekonzerne des Reiches, Krupp, Hermann Göring Werke, Deutsche Bank und andere, versuchten sich das wirtschaftliche Potential des Landes anzueignen. Schlüsselposten wurden mit Vertrauensleuten des Gauleiters besetzt. Die luxemburgische Industrie wurde in die deutsche Kriegswirtschaft eingegliedert. Am 21. August wurde das deutsche politische Strafrecht eingeführt. Ende August wurden die politischen Parteien aufgelöst. Plakate mit "Das Zeitalter der Demokratie ist zu Ende!", "Luxemburg ist keine Welt für sich!", "Die politischen Parteien sind aufgelöst!" erschienen. Die politische Meinung sollte sich künftig nur noch in der VdB äußern. Das verfassungsmäßige Versammlungsrecht wurde aufgehoben, alle Vereinigungen ohne Ausnahme, ob sozialer, kultureller, religiöser oder geselliger Art, wurden dem neuernannten Stillhaltekommissar unterstellt. Die deutsche Reichsmark wurde gesetzliche Währung. Der Wirtschaftsanschluß an das Reich wurde für den 15. September angekündigt. Die Beamten mußten eine Loyalitätserklärung gegenüber dem CdZ abgeben. Die Gewerkschaften wurden aufgelöst. Arbeitgeber und Arbeitnehmer mußten in die nationalsozialistische Einheitsgewerkschaft "Deutsche Arbeitsfront" eintreten. Am 5. September wurden die Nürnberger Gesetze auf Luxemburg ausgedehnt. Den Juden wurde sofort jedes Verfügungsrecht für ihr Vermögen entzogen. 310 Luxemburger Juden die sich Pässe beschaffen konnten, wurden nach Portugal abgeschoben. Für die restlichen 1200 begann eine schlimme Zeit. Luxemburg sollte in kurzer Zeit judenfrei werden, was die Verschleppung der jüdischen Bevölkerung in Luxemburg in die Konzentrationslager des Ostens, besonders nach Theresienstadt und Ausschwitz bedeutete. Am 22. Oktober wurde die offizielle Auflösung der Abgeordnetenkammer und des Staatsrates bekanntgegeben. Am gleichen Tage wurde ein Sonderstrafgericht für "unzuverlässige" Beamte eingerichtet. Die Landesverwaltungskommission wurde aufgelöst, Albert Wehrer wurde verhaftet. Der Druck auf die Bevölkerung in den VdB einzutreten, wurde erhöht. Der CdZ wußte sich hierbei aller psychologischer Mittel zu bedienen um Angst und Unsicherheit zu verbreiten. So bekamen am 29. Oktober 1940 die Lehrer, welche Nichtmitlieder im VdB waren, gedroht, umgesiedelt zu werden. Die Panik wurde durch eine grundsätzliche VdB-Eintrittssperre, am 24. Oktober verhängt, erhöht. Voller Angst um ihre Existenz stürmten neben den Beamten auch andere Bevölkerungsschichten zu den Ortsgruppenleitern um die Aufnahme in den VdB zu erbitten. Die Zahl der VdB-Anwärter stieg bis Ende des Monats von 5000 zu Beginn des Monats auf das Sechs- bis Achtfache an um dann weiterhin in die Höhe zu schnellen. Im Dezember 1940 wurden die Soldaten der Freiwilligenkompanie nach Weimar geschickt, wo sie umerzogen werden sollen um bei der deutschen Polizei zum Einsatz zu gelangen. Dabei kam es zu Kundgebungen des Protestes die zu Verhaftungen führten. Das Memorial stellte sein Erscheinen mit dem 31. Dezember 1940 ein. Der Luxemburger Staat hatte de facto aufgehört zu bestehen. Damit keine Resistenz sich manifestieren konnte war die Presse vollständig nazifiziert worden. Sie beschränkte sich auf das parteioffizielle Koblenzer Nationalblatt, das Luxemburger Wort sowie das Escher Tageblatt. Die als deutschfeindlich bekannten Redakteure wurden ausgeschaltet. Mgr. Origer, Batty Esch und Pierre Grégoire, drei Redakteure des Luxemburger Wort wurden verhaftet und ins KZ überführt. Die beiden ersten starben in Dachau. Auch Franz Clément, vom Tageblatt, starb im KZ. Seit Mitte 1941 wurde das KZ ein normales Straf-, Verwahr- und Einschüchterungsmittel. Unvermittelt konnten Männer und Frauen aller Parteien und Bevölkerungsschichten abgeschleppt werden. Reichsdeutsche besetzten die wichtigsten Verwaltungsstellen. In den Zeitungen erschienen Listen mit dem Titel, "Sie bieten nicht die Gewähr". Die Namen derer wurden veröffentlicht, die ihre Arbeitstelle verloren hatten, weil sie sich nicht nazifizieren ließen. Diese Leute wurden ins Reich dienstverpflichtet. Anfang 1941 mußten Professoren und Anwälte, die wegen Beitrittsverweigerung zur VdB oder wegen sonstiger "Unzuverläßigkeit" bei den deutschen Behörden bekannt waren zum Einsatz beim Bau der Eifeler Reichsautobahn. Auch die Jugend wurde unterdrückt. Ohne Mitgliedschaft zur HJ oder zum BDM gab es keinen Lehrlingsvertrag oder eine Aufnahme in eine Mittelschule. Allmählich waren alle Luxemburger karteimäßig erfaßt worden. Die "Bewegung" war in Parteien und Verbänden durchorganisiert worden. Die Souveränitätserinnerungen an Luxemburg, wie Wappen und Krone waren wegradiert worden. Anfang 1941 wurde der Reichsarbeitsdienst für die Luxemburger Jugendlichen eingeführt. Die Desertion wurde mit schwersten Strafen belegt. Die organisierte Resistenz fand nun, neben der Gegenpropaganda, ihre Hauptaufgabe. Luxemburger Resistenzler organisierten die Fluchthilfe für die Nicht-RADwilligen nach Frankreich und Belgien. Mitte 1941, nachdem Luxemburg auf fast allen Gebieten gleichgeschaltet worden war, wollte Simon, in Siegeslaune, von den Luxemburgern eine formale Zusage zum Deutschtum erreichen. So wurden Anfang Oktober 1941 allenHaushalten Formulare zu einer Volkszählungsstatistik ausgeteilt, welche auch Fragen über Sprache, Staatsangehörigkeit und Volkszugehörigkeit enthielten. Es wurde den Luxemburgern mitgeteilt, daß sie bei den Antworten "deutsch" schreiben sollten; für die Antwort "luxemburgisch" seien harte Konsequenzen zu erwarten. Diesmal konnte die organisierte Resistenz jedoch Gegenpropaganda betreiben. Tausende Trakte der Untergrundorganisationen teilten mit, daß "dreimal luxemburgisch", (Sprache, Staats-, Volkszugehörigkeit) auf das Formular gesetzt werden sollte. Stichproben des CdZ ergaben, daß auf dem Lande 98%, in den Städten 96% der Bevölkerung die deutsche Volkszugehörigkeit ablehnten. Deshalb wurde befohlen, daß die Ausfüllung der Zählkarten zu unterbleiben habe. Simons Rache ließ nicht lange auf sich warten. Es wurde angekündigt, dass Luxemburg in kürzester Zeit judenfrei zu machen sei. Auch der Grenzaustritt um sich den Pflichten gegen die Volksgemeinschaft zu entziehen wurde mit Todesstrafe, heimtückische Angriffe gegen Reich, Partei und Bewegung mit Zuchthausstrafen bedroht. Das Sondergericht tagte ununterbrochen. Neue Bestimmungen machten die Verhängung von Zuchthausstrafen für längst geschehene Taten zum Kinderspiel. Es regnete Absetzungen und Dienstverpflichtungen. Die Gestapo tätigte unzählige Hausdurchsuchungen. Am 4., 5. und 6. November 1941 erfolgte der große Schlag von rund 500 täglichen Verhaftungen. Rund 600 Mann wurden festgenommen und nach Hinzert zur Untersuchungshaft gebracht. Bei der Gleichschaltung stützte sich der Gauleiter auf die VdB, die die Luxemburger überzeugen sollte, daß Luxemburg zum großdeutschen Reich gehöre. "Heim ins Reich" lautete die Devise. Aus den anfänglich 600 Mitgliedern im August 1940 wurden 69045 im September 1941 und schließlich 83429 im Mai 1942. Der SD ließ sich durch diesen Zulauf nicht täuschen und urteilte, daß die Mitgliedschaft zur VdB nicht ein Beweis der Nazifreundlichkeit der Mitglieder sei. Den Luxemburgern wurde also befohlen deutsch, im Sinne des Nationalsozialismus zu denken. Theater, Film, Rundfunk und Presse sollten die geeigneten Medien sein um die Luxemburger umzuerziehen. Nach Simons anfänglichen Vorstellungen sollten die Luxemburger sich schnell und ausinnerer Überzeugung für das Deutschtum entscheiden. Diejenigen, die dies ablehnten, sollten nicht in Luxemburg verbleiben dürfen. Weil der politische Erfolg ausblieb, wurden die Mittel des Gauleiters immer brutaler. Mit Umsiedlung, Einweisung ins Konzentrationslager, Terror und Hinrichtungen, sowie der Zwangsrekrutierung wurde versucht den Widerstand der Luxemburger zu brechen. Dieses brutale Vorgehen bestärkte die Luxemburger nur noch in ihrer ablehnenden Haltung gegenüber Nazideutschland. Viele leisteten deshalb aktiven Widerstand.
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