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Im Ersten Weltkrieg war Luxemburg bereits von den Deutschen besetzt gewesen. Damals waren die Großherzogin und die Regierung im Lande geblieben und mußten, um ihre Eigenständigkeit zu erhalten mit Deutschland kooperieren. Durch die notgedrungene Zusammenarbeit der Luxemburger Regierung mit den deutschen Behörden, von 1914 bis 1918, war das Land nach dem Ersten Weltkrieg in den Augen der Alliierten diskreditiert. Dies sollte nicht noch einmal vorkommen. So wurde bereits vor dem Einmarsch der deutschen Truppen am 10. Mai 1940 beschlossen, daß die Großherzogin und die Regierung sich im Falle eines voraussichtlichen Einmarsches der deutschen Truppen ins Exil begeben sollten. Im Lande sollte eine Regierungskommission unter Albert Wehrer, Generalsekretär der Regierung, zurückbleiben. Die genauen Kompetenzen und Aufgaben dieser Kommission wurden jedoch nicht festgelegt. Zurückbleiben sollten auch die 41 Abgeordneten. Anfang Januar 1940 wurden die dazu notwendigen Beschlüsse von der Großherzogin und ihren 5 Ministern getroffen. Falls Deutschland angreife, sollten sich die Großherzogin und die Regierung nach Lasauvage, in den äußersten Südwesten des Landes begeben und unter dem Schutze der Maginot-Linie das schnelle Zusammenbrechen des deutschen Angriffs abwachten. Der Hüttendirektor Charles Libotte stellte hierzu der großherzoglichen Familie seine Villa zur Verfügung.
Am Abend des 9. Mai 1940 bereiteten sich die Minister vor mit ihren Familien Luxemburg zu verlassen. Die großherzogliche Familie sollte sich von Colmar-Berg zum großherzoglichen Schloß in Luxemburg begeben. Sie waren über die bestehende Invasion unterrichtet worden. Kurz nach Mitternacht wurde höchste Alarmbereitschaft gegeben. Zwecks Überwachung wurden Gendarmen ausgeschickt zu den Stahlpforten und zu den strategischen Punkten in Luxemburg-Stadt, dem großherzoglichen Schloß, der Post, sowie den Ausfallstraßen. In der Folge überschlugen sich die Ereignisse. Kurz nach 3.30 Uhr verließen die Großherzogin und Prinz Felix das Palais in Richtung Rodange. Gegen 4.15 Uhr kamen sie dort an. Um 4.35 Uhr setzte sich die deutsche Angriffsmaschinerie in Bewegung. Die Stahlpforten wurden umgangen oder gesprengt. Gegen 5 Uhr landeten Fieseler Störche in den Wiesen bei Bascharage. Die wichtigsten Kreuzungen wurden besetzt und Abwehrstellungen gegen die Franzosen wurden ausgehoben. Die Lage der Großherzogin wurde zu gefährlich und sie begab sich zur französischen Grenze. Gegen 7.45 Uhr verließ die Großherzogin das Land weil die Deutschen sich auf die Grenze zubewegten. Die 4 Luxemburger Minister, Pierre Dupong, Joseph Bech, Victor Bodson und Pierre Krier verließen gegen 5.00 Uhr die Hauptstadt und versuchten über die französische oder die belgische Grenze zu gelangen. Sie konnten sich im Ausland in Sicherheit bringen. Minister Nicolas Margue fuhr erst gegen 7.00 Uhr mit dem Taxi in Richtung belgische Grenze. Gegen 8.00 Uhr überschritten französische Truppen die luxemburgische Grenze, um den Feind am Weiterkommen zu behindern. Nicolas Margue konnte die Frontlinie nicht mehr überschreiten. Er wurde an der belgischen Grenze gestellt. 1942 wurde er von den Deutschen umgesiedelt. Die Großherzogin und ihre Minister begaben sich anschließend über Sainte-Menehould nach Paris. Die Lage der französischen Armee verschlechterte sich zusehends. Bereits am 13. Mai durchbrachen die Deutschen die französischen Stellungen bei Sedan und bedrohten Paris. Ab dem 17. Mai fuhren die Goßherzogin sowie ein Teil ihrer Minister nach Bergerac in Süd-Frankreich, während Dupong und Bech in Paris blieben um Kontakt zur französischen Regierung zu halten. Am 10. Juni verließen auch sie Paris. In der Zwischenzeit versuchten Krier und Bodson den leidgeprüften Evakuierten in Dijon und Montpellier zu helfen, konnten jedoch bei den allgemein chaotischen Zuständen nur sehr wenig erreichen. Unvorhergesehener Weise, wurde die Regierung durch den Verlauf der militärischen Ereignisse gezwungen Frankreich zu verlassen. Das Unvorstellbare war eingetreten: Deutschland hatte gegen Frankreich gesiegt. Viele Möglichkeiten zur weiteren Flucht gab es nicht. Am 18. Juni überquerten die Großherzogin und die Regierung die spanische Grenze bei Irun. Ein Verbleiben im damals faschistischen Spanien konnte jedoch die Lösung nicht sein. In einer ersten Zeit ging es darum weiter ins neutrale Portugal, wo die Regierung am 24. Juni ankam. Salazar, der Diktator Portugals, gewährte der Großherzogin und der Regierung die Gastfreundschaft unter der Bedingung, daß sich die luxemburgische Regierung jeder politischen Aktivität enthielte. Auf Einladung des amerikanischen Präsidenten F.D. Roosevelt begab Prinz Felix sich mit den großherzoglichen Kindern in die Vereinigten Staaten. Im September 1940 gelangte die Regierung über Portugal nach London und Montreal in Kanada. Am 3. Oktober 1940 wurde die Großherzogin von Präsident Roosevelt empfangen. Die Exilregierung wählte ihren Sitz in Montreal sowie in London. Heute streiten sich einige Historiker darüber, ob die Flucht der Luxemburger Regierung gut oder nicht gut organisiert war. Die Flucht der Großherzogin und der Regierung, die überwiegend glückte, muß als Zeichen des Protestes gegen die Besetzung des Landes verstanden werden.
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