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Luxemburg zwischen dem 1. September 1939 und dem 10. Mai 1940

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Der 10. Mai 1940

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Luxemburg nach dem Ende des 2. Weltkrieges

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Histologo

17. Luxemburg nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs

Die Besetzung Deutschlands ermöglichte endlich die Befreiung der Konzentrationslagerinsassen. Sowjetische Truppen befreiten am 27. Januar 1945 Ausschwitz. Am 20. April 1945 kehrten die Luxemburger aus Hinzert zurück. Die Rückkehr der meisten KZler verzögerte sich jedoch, wegen des noch bestehen Kriegszustandes, bis Mai und August 1945. Ebenso betroffen waren die Umgesiedelten und die in alliierte Kriegsgefangenschaft geratenen Zwangsrekrutierten. Diese Verzögerungen lösten Unmut bei den Heimzukehrenden aus, die sich von der Regierung im Stich gelassen fühlten.

Besonders betroffen waren die Zwangsrekrutierten, die in sowjetische Gefangenschaft geraten waren. Sie stellten numerisch gesehen den größten Teil der Heimzuführenden dar und sie kamen größtenteils erst im November 1945 über das Sammellager bei Tambow in Luxemburg an. Das "Commissariat au Rapatriement", durch großherzogliches Dekret bereits am 11. August 1944 geschaffen. hatte für die Rückfuhraktionen Listen erstellt. Bereits Ende Oktober 1944 wurde eine Liste mit 17500 Vermißten dem Roten Kreuz in Genf übermittelt. Ende Dezember beklagte man 23000 Luxemburger Vermißte. Die eigentlichen Rapatriierungen konnten jedoch erst im März 1945 anlaufen, da Deutschland nun allmählich besetzt wurde. Erst ab August wurden luxemburgische Militärmissionen zur Suche von Vermißten in Deutschland oder den Ostländern zugelassen. Im ganzen führte das "Commissariat au Rapatriement" zwischen 1944 und 1948 26000 Luxemburger heim. Ab 1946 wurden die sterblichen Hüllen der Gefallenen heimgebracht. Bis 1948 wurden trotz immenser Schwierigkeiten 520 Leichen heimgeführt.94 Die Emotionen und die moralischen Wunden in der Luxemburger Bevölkerung waren sehr groß.

Durch die Rundstedtoffensive war der Norden des Landes weitgehend zerstört worden. Ein Drittel der Gebäude, Bauernhöfe, Scheunen und Ställe war davon betroffen. Einige Dörfer mußten ganz wiederaufgebaut werden. Der Gesamtkostenpunkt bezifferte sich auf 4,7 Milliarden Franken und dies bei einem Staatsbudget das die 2 Milliarden Franken nur knapp überstieg. Die Wiederaufbauarbeiten wurden durch ein eigens hierzu geschaffenes Kommissariat geleitet.

Am wichtigsten war es, die Ernährung der Bevölkerung in einem durch den Krieg gänzlich desorganisierten Europa zu garantieren. Dazu mußte die Kriegswirtschaft auf Friedenszeiten umgestellt werden. Andere Kriegsschäden waren die unzähligen Körperschäden, Renten, medizinische Betreuung für die Opfer, die mit 2,5 Milliarden Franken zu Buche schlugen. Um an das nötige Geld zu kommen behielt der Luxemburger Staat das strenge deutsche Steuerrecht bei und stellte Anleihen aus.

Politisch gesehen, mußte das Land wieder demokratisch regiert werden. Die Widerstandsbewegungen, regruppiert in der Unio'n, wollten stärker in der Politik mitarbeiten und auch in der Regierung repräsentiert sein. Alle Parteien waren gefordert, ob der großen Probleme zusammenzuarbeiten und gemeinsame Lösungen auszuschaffen. Die alten Parteien, die während des Krieges aufgelöst worden waren, konstituierten sich wieder und nahmen ihren alten Platz unter der Präsidentschaft Pierre Dupongs ein. Um dem Wunsch der Bevölkerung zu genügen wurden der Regierung neue Minister beigeordnet. So entstand eine Regierung der Nationalen Union in der alle Parteien und Gruppierungen vertreten waren. Desweiteren stand eine konsultative Kammer der Regierung beratend zur Seite. Die ersten freien Wahlen fanden am 21. Oktober 1945 statt. Trotz der vielen Vorwürfe der Bevölkerung an die Exilregierung wurden die Minister wiedergewählt. In der Folge des anschließenden kalten Krieges zwischen Ost und West verließen im Februar 1947 die Sozialisten und Kommunisten die Regierung und gingen in die Oppostion. Die neue Regierungskoallition umfaßte die christlich-soziale Partei sowie den "Groupement patriotique et démocratique", der aus der alten Unio'n hervorgegangen waren.

Die Nachkriegsbilanz ist sehr hart. 791 Resistenzler starben auf dem Schafott oder in den Lagern. Von 10211 Zwangsrekrutierten kehrten 2848, 28%, nicht mehr in die Heimat zurück. Von 3500 Juden die in Luxemburg verweilten starben 71%. Etwa 600 Zivilisten starben durch die Kriegsereignisse von1940 und vor allem während der Rundstedtoffensive. Insgesamt starben 5269 Personen durch Kriegseinfluß, d.h. 1,8% der Bevölkerung von 1940. Davon waren vor allem junge Menschen betroffen.

Luxemburg erlitt auch beträchtlichen materiellen Schaden. Bereits 1940 wurden durch Artilleriebeschuß von der Maginotlinie aus etliche Häuser im Süden des Landes zerstört. Die alliierten Luftangriffe im Jahr 1944 fügten ein übriges hinzu. Am meisten zerstört wurde das Land jedoch durch die Rundstedtoffensive im Winter 44/45. Das Ösling sowie die Echternacher Gegend wurden teilweise ganz zerstört. Einige Dörfer, wie zum Beispiel, Hosingen mußten ganz wiederaufgebaut werden.

Ein anderes leidiges Problem war das der Epuration. Um Gerechtigkeit zu üben mußten die Mitläufer- und Kollaborationsfälle untersucht werden. Simon selbst konnte der Prozeß nicht mehr gemacht werden, da er im Gefängnis Selbstmord verübte. An den in Luxemburg zum Tode verurteilten Deutschen wurde keine Todesstrafe vollstreckt. Die letzten deutschen Kriegsverbrecher verließen 1957 die luxemburgischen Gefängnisse. Ander erging es jedoch den luxemburgischen Kollaborateuren. 8 Todesurteile wurden vollstreckt, darunter war der Chef der VdB, Damian Kratzenberg.

International gesehen gab Luxemburg seine Neutralität auf und orientierte seine Außenpolitik neu. Eine logische Fortsetzung dieser westlich-marktwirtschaftlich orientierten Politik war der Beitritt zum Brüsseler Pakt von 1948, einem Bündnis das Europa militärisch besonders gegen Rußland stärken sollte. 1949 traten die Länder des Brüsseler Paktes sowie andere Länder, insbesondere die USA, der NATO bei. Bereits am 30. November 1944 war der obligatorische Militärdienst eingeführt worden. Nach dem Krieg nahm Luxemburg auch an der Besetzung Deutschlands in den Gegenden Bitburgs und Neuerburgs teil.

Im Exil war auch die ökonomische Erneuerung vorbereitet worden. Nach dem Krieg wurde die belgisch-luxemburgische Wirtschaftsföderation, die formal gesehen nicht aufgehört hatte, wiederbelebt. Desweiteren war bereits im September 1944 die Benelux geschaffen worden, die eine einheitliche Wirtschaftsunion zwischen Belgien, Holland und Luxemburg schaffen sollte.

Mit dem Beitritt Luxemburgs zur Europaïschen Montanunion im Jahre 1950, der Vorläuferin der heutigen Europäischen Union war Luxemburgs Kurs klar festgelegt. Luxemburg war ein freiheitliches Land inmitten von marktwirtschaftlich-freiheitlich orientierten europäischen Partnern geworden.

Eins der wichtigsten und positiven Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs ist das wiedererwachte und seither nicht mehr in Frage gestellte Luxemburger Identitäts- und Nationalgefühl. Paradoxerweise haben die Nazis durch ihre Terrormethoden die Luxemburger ernüchtert ihre eigene Zukunft entgültig in die Hand zu nehmen. Heute wird nicht mehr daran gezweifelt, daß Luxemburg als Staat stark und wohlhabend genug ist um weiterzubestehen. Trotz, oder sogar wegen, seiner negativen Auswirkungen stellt der Zweite Weltkrieg somit eines der Grundfundamente der Luxemburger Gesellschaft dar. Sogar die Luxemburger Sprache wird seither unmißverständlich als Sprach- sowie Schriftsprache benützt. Seit dem Kriege ist die Luxemburger Sprache Pflichtfach in den Primärschulen und den Lyzeen. Eine richtige Integration ist in Luxemburg ohne Beherrschung des Luxemburgischen undenkbar. Bereits am 10. Oktober 1941 hatten die Luxemburger darüber befunden und sich damit,gegen Nazideutschland, zu einer eigenen freiheitlichen Nation erklärt.


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