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Es kann nicht geleugnet werden, daß es in Luxemburger Mitläufer der Nazis gab. Die deutschfreundlichen Kräfte in Luxemburg schienen von der Schnelligkeit des deutschen Sieges über Frankreich überrascht gewesen zu sein. Sie hatten anfängliche Schwierigkeiten zu einer kohärenten Haltung zu finden. Nur mit Unterstützung von Volkstumsspezialisten gelang es ihnen sich in der VdB, unter der Leitung von Damian Kratzenberg zu einer geschlossenen Gruppe zusammenzusetzen. Unter der Losung "Heim ins Reich" war es die Aufgabe der VdB die Luxemburger zur deutschen Volkszugehörigkeit zurückzuführen. Ende Juli gehörten der VdB 1000 Mitglieder an. Die Luxemburger standen also zu diesem Zeitpunkt der VdB ablehnend gegenüber. Bis Ende September 1940 waren nur etwa 5000-6000 Mitglieder geworben worden. Ab Ende Oktober 1940 erhöhten die Deutschen ihren Druck und ließen den Eindruck entstehen die VdB sei für sämtliche Staats- und Gemeindebeamten gesperrt. In der Sorge um ihren Arbeitsplatz wollten die Beamte ihre Aufnahme in den VdB doch noch erreichen. In der Folgezeit wurden auch andere soziale Gruppen unter Druck gesetzt. Eigentlich entgingen nur der Klerus und die Bauern diesem Druck. In allen Gruppen gab es jedoch einige die keine Unannehmlichkeiten und Schikanen scheuten und den Eintritt in die VdB verweigerten. Mitte 1941 hatte die VdB etwa 25% der Bevölkerung erfaßt. Im August 1942 war mit 83429 die Höchstzahl der VdB-Mitglieder erreicht. Die Besatzer forderten von den Luxemburgern ein offenes Bekennen zum Deutschtum. Man konnte also nicht halbherzig kollaborieren, sondern mußte sich ganz für das nationalsozialistische Deutschland entscheiden. Kollaborateure waren also diejenigen, die freiwillig in die deutschen nationalsozialistischen Organisationen eintraten und dort mitarbeiteten. Dies ist jedoch nicht auf die VdB anzuwenden. Während man davon ausgehen kann, daß die 600 Mitglieder des VdB im August 1940 Kollaborateure sind, kann man die 83429 Mitglieder vom August 1942 nicht als Kollaborateure bezeichnen. Selbst der SD warnte bereits im Dezember 1940, daß 90% der Mitglieder in der VdB dies aus opportunistischen Gründen oder aus Furcht taten. Sogar aktive Resistenzler gehörten aus Sicherheitsgründen der VdB an. Während die Mitgliedschaft in der VdB also nicht unbedingt etwas über die Nazifreundlichkeit aussagte ist es offensichtlich, daß für die wichtigeren Ämter in den Ortsgruppen, wie Ortsgruppenleiter, Geschäftsführer, Kassenleiter, Organisationsleiter, Schulungsleiter, sowie für die wichtigen Ämter in den Kreisleitungen niemand gezwungen werden mußte. Opportunisten hofften den schnellen sozialen Aufstieg zu schaffen und an den Hebeln der Macht zu sitzen. Dieser neuen Elite fehlte jedoch die nötige Bildung um in der Parteihierarchie aufsteigen zu können, so daß die wichtigeren Ämter den Reichsdeutschen vorbehalten waren. Der VdB als "Ort der Bewährung" war nur eine Vorstufe für die Kollaborateure, die dann völlig ungezwungen und freiwillig Mitglieder in der NSDAP, der SA oder der SS wurden. Später meldeten sich Freiwillige zur Wehrmacht und Waffen-SS. Freiwillige Eintritte in die NSDAP, SA, SS und die deutsche Wehrmacht müssen also bei der Kollaboration berücksichtigt werden. Im August 1942 gehörten etwa 220 Personen der NSDAP an. Ausgehend von Unterlagen zu 2590 Mitgliedern, bei einer Gesamtzahl von 4000-5000 Mitgliedern kommt der Historiker Paul Dostert zu der Schlußvolgerung, dass der Großteil der Kollaborateure von Anfang an dabei war. Der Eintritt der Luxemburger in die NSDAP wurde erst ab 1941 mit Sondergenehmigung des Reichsschatzmeisters möglich, da die Luxemburger die deutsche Staatsangehörigkeit noch nicht besaßen. Die Kollaborateure wurden also schon ab Mitte 1941 wie Reichsdeutsche behandelt. Die meisten Kollaborateure trafen ihre Entscheidung für das Dritte Reich zu einem Augenblick, als die deutschen Armeen an allen Fronten siegreich waren, die Waffenpflicht in Luxemburg aber noch nicht eingeführt war. Soziologisch gesehen kann man die luxemburgische Kollaboration als "halb-kleinbürgerliche, halbproletarische Bewegung" bezeichnen. Mitte 1945 saßen 5101 Luxemburger, 2857 Männer und 2244 Frauen, 1,79 Prozent der Gesamtbevölkerung wegen ihrer politischen Aktivität im Gefängnis. 12 Kollaborateure wurden zum Tode verurteilt, 249 zu Zwangsarbeit, 1366 zu Gefängnis- und 645 zu Zuchthausstrafen. Rund 0,80 Prozent der Bevölkerung wurden also gerichtlich bestraft. Außer der politischen Betätigung wurde ihnen Anteilnahme gegen die jüdische Bevölkerung, Verraten von versteckten Zwangsrekrutierten sowie Bespitzelung der Luxemburger Bevölkerung vorgeworfen.
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