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Wallburgen im Clerfer Kanton



Zweiter Teil: Drei Befestigungen im Clerfer Kanton

Nachdem wir in der letzten Ausgabe auf die Allgemeinheiten der befestigten Anlagen in Luxemburg eingegangen sind, wollen wir uns im folgenden mit den drei Beispielen des Clerfer Kantons beschäftigen. Es lohnt sich nicht nur aus historischer Sicht einen Ausflug zu den Burgen zu unternehmen, nein, auch landschaftlich hat ihre Lage einiges zu bieten. So sollte schon allein die Spannung bei der Suche nach den geheimnisvollen Wällen die Mühe lohnen. Da sich die aktuelle Geschichtsforschung kaum mit den Burgwällen beschäftigt, werde ich mich bei deren Beschreibung sehr an das Standartwerk „Vor- und frühgeschichtliche Burgwälle des Großherzogtums Luxemburg“ von Reinhard Schindler und Karl-Heinz Koch halten.

 

a. Fischbach

 

Um den am Ortsrand von Fischbach gelegen Felsen, der sich weit über die Our erhebt und Kaasselslay genannt wird, ist es in letzter Zeit ruhig geworden. Doch das war nicht immer so. Seit über 100 Jahren bietet die Kaasselslay vielen mehr oder minder ernsthaften Historikern die Gelegenheit, die verschiedensten Theorien zu entwickeln.

 

So brachte Michael Bormann „die „Caselsley“ mit den Ereignissen nach Cäsars Rückkehr von der zweiten Britannienexpedition 54 v. Chr. im Lande der Belgae in Zusammenhang. Er sah in ihr den geeigneten Platz für das Lager des Labienus. Er hat den Burgberg 1839 von Osten her kommend – er war Pastor in Daleiden – besucht und vom tiefen Tal der Our aus bestiegen. Er rühmt die „erhabene, imposante, wahrhaft malerische Lage“ sowie „ die noch deutlich sichtbare künstliche Umwindung der Oberfläche“ und die ringförmigen Erhöhungen auf derselben. Auch fand er den 50 Jahre vor seiner Zeit zugeworfenen Pütz (Brunnen). „Vorn auf der Frontspitze sieht man noch die Abrundungen, wo die Soldaten gelagert waren. Die Steine, welche dazu verbraucht und hier sich fanden, sind teils durch die Urbarmachung der Fläche den Berg hinabgeschoben und die Reste in den Pütz zusammengeführt worden. Doch bemerkt man noch hie und da im Boden Überbleibsel von Mauerwerk.“ Zwischen der Kaasselslay und dem Römerberg auf der Ostseite der Our befindet sich eine Furt. Die Geländebeschaffenheit entspricht nach Bormann ganz den Beschreibungen in Cäsars Buch 5 Kap. 54. „Ure aufwärts, der Caselsley gegenüber liegt die sog. Königsley. Hier dürfte vielleicht Indutiomar enthauptet worden seyn, was zu dieser Benennung die Veranlassung gab.“

Bormann hat seinem Buch auch Lagepläne und Situationsskizzen beigefügt. Auf der Karte Taf.II sind unweit von Heiderscheid vier Grabhügel eingetragen, die „Drei Hivel“. Bormann meint, hier habe Labienus dem Indutiomar und den an der „Caselsley“ gefallenen Trevirern in vier aufgeworfenen Hügeln ein Monument errichtet. Der Zufall will es, dass diese vier Hügel wenige Jahre nach Erscheinen von Bormanns Buch durch Poudron geöffnet wurden. In zwei Hügeln fand er große Sandsteinblöcke, im dritten fünf Vasen aus rotem Ton und einige graugrüne Stücke. Das vierte, kleinere Grab war von vier Schieferplatten umstellt. Darin fand sich Leichenbrand, vermischt mit feiner Erde. Würde Bormann von diesem Untersuchungsergebnis erfahren haben und hätte er über die Sachkenntnis unserer Zeit verfügt, wäre ihm sein Irrtum bewusst geworden. Die vier Hügel von Heinerscheid sind mindestens 150 Jahre nach dem Sieg des Labienus über die Treverer entstanden.

„Der Kasselsbierg ist eine Befestigungsanlage der besonderen Art. Man erreicht ihn über einen Feld- und Waldweg, der in östlicher Richtung von der RN7, Kiemel genannt, hinter Marnach oder an der Hauptkreuzung in Fischbach abzweigt.“ Besonders schön und somit sehr empfehlenswert ist auch der Rundweg „Auto-pédestre“ von Roder. „Die Befestigungsanlage liegt auf einer langgestreckten, nach Osten breit ausladenden Höhe, die nur von Westen her einen schmalen Zugang hat und an den übrigen drei Seiten durch tief eingeschnittene Täler dreier Gewässer so gut wie unangreifbar ist.

Der erste Wall der Anlage Fischbach. Der Waldweg stammt aus neuerer Zeit.

Zwei in die Our mündende, von Nordwest zufließende Bäche, die „Stroumbaach“ im Nordosten und die „Kenzelbaach“ im Südwesten fassen das Bergoval an den Landseiten ein. Die Ostseite wird zwischen der Einmündung der genannten Zuflüsse von einem Teil der S-förmigen Ourschleife geschlossen. Nur wer die Örtlichkeit kennt, kann ermessen, was die Natur hier geschaffen hat: die Hänge rings um den „Kasselsbierg“ steigen aus den Talungen um 125-142 m steil in die Höhe.

 

Die Talschluchten der beiden Seitengewässer schnüren den langgezogenen Schieferrücken an der Höhe 401 zu einem engen Hals mit schmalem, leicht zu verteidigenden Berggrad zusammen. Darauf folgt ein Engpass, den die Alten zur Anlage einer Doppelsperre nutzten. Der Wegdurchbruch und ein Steinbruch haben Teile der zwei Wälle beseitigt.“

 

Der sogenannte Pütz ist ein gemauerter, römerzeitlicher Brunnen.

„Hinter den beiden Wällen ebnet sich die Fläche nun und erreicht beim sogenannten Pütz, einem gemauerten römerzeitlichen Brunnen eine Breite von 220 m. An dieser Stelle ist als deutlicher Geländeabsatz eine Randbefestigung vorhanden, die sich um die ganze Rundung des Burgkopfes herumlegt. Wenn sie an dieser dem Feind offensichtlich abgewandten Seite existiert, muss sie auch auf den beiden freibleibenden Längsseiten bestanden haben. Im Südosten ist sie durch den in neuerer Zeit erfolgten Bau eines Weges unkenntlich gemacht worden.

 

 

 

Die Planierraupe hat jedoch für Beweise ihres einstigen Vorhandenseins gesorgt, denn es sind durch die Erdbewegungen Mengen rotgeglühter Schieferbrocken und Schlackensteine freigewühlt worden, die man auf einer Länge von 200 m an den Wegrändern aufsammeln kann. Sie dürfen nach den Erfahrungen an anderen Burgen als Indiz für eine durch Feuer vernichtete, mit Holz und Steinen gebaute Randmauer gelten. Da sich angeglühte Schieferbrocken auch an der Oberfläche des zweiten Walles befinden, schließt sich die Beweiskette.

Am Zugangsweg zur Burg aufgesammelte „terra sigliata“.

 

Die Burg, die man ihrer Lage wegen für uneinnehmbar halten würde, ist durch Feuer zerstört worden.“

 

 

b. Kalborn

 

Im Gegensatz zur Fischbacher Anlage findet man in der Heimat- und Fachliteratur, soweit überschaubar, keine besonderen Hinweise auf den „Katzeknapp“. Doch sie „zeichnet sich durch eine ungewöhnliche Form und durch ihre topographische Lage aus. In der äußersten Rundung einer weit gezogenen Flussschleife der Our erhebt sich ein Ausläufer der steil nach Westen ansteigenden Höhenzüge einer Bergkuppe. Sie ist von der aus Kalborn zur Tintesmillen durch eine Einsattelung herabführenden Strasse über einen schmalen Felsgrad zu erreichen. Auf dem Grad führt ein Fußweg zur steil ansteigenden Höhe. Vom Pfad aus öffnet sich stellenweise ein herrlicher Blick auf das imposante Ourtal.

 

Auf der Spitze der Bergkuppe befindet sich nun die hufeisenförmige Anlage mit einem äußeren Durchmesser von 40 auf 30 m. Am südöstlichen Teil der Rundung findet sich ein 15 bis 20 m langer Wall mit 4 m breiter, flacher Grabensenke. Der 7 m breite Wall hat eine breite Außen- und eine sehr schmale Innenböschung. Seine Höhe liegt von Außen her zwischen 1,30 und 1,80 m, von innen bei knapp 0,50 m. In dem Terrassenabsatz und im Wall  dürften die Reste einer umlaufenden, vermutlich nicht sehr kräftigen Befestigung verborgen sein. Aus der mit Rasen überzogenen Oberfläche ragen nirgends Steine heraus

Ansicht des Walles mit vorgelagertem Graben

 

 

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Der von der Landstraße abzweigende Landweg, der zur Anlage führt.

Auf zwei Tatbestände sei noch hingewiesen. Der alte Zugang zur Anlage wird durch einen Weg gekennzeichnet, der sich wenig unterhalb, d.h. südwestlich des genannten Pfades von der Landstraße her kommend den Berg hinaufzieht. Dieser Weg ist jedoch beim Bau der Landstraße unterbrochen worden, als man für diese einen tiefen Einschnitt in den schmalen Berggrat vornahm. Auf der Westseite der Landstraße kann man den alten Weg weiterverfolgen.  Von dort aus zieht er in Richtung Kalborn.

 

 

Der Hang dieses Felsrückens trägt übrigens den Flurnamen „Buurgbierg“. Da geländemäßig  dort eine Burg nie bestanden haben kann, wird man annehmen dürfen, dass dieser Flurname mit der Bezeichnung des „Katzeknapp“ in Zusammenhang steht. Am Fuße des Burgberges fließt die „Feierbaach“ zu Tal und mündet oberhalb der Tintesmillen in die Our.“

 

c. Munshausen

„Kukigt“ heißt der „sehr gut erhaltene, imposante Abschnittswall, der der luxemburgischen Landesforschung erst durch die Aufmerksamkeit von N. Folmer bekannt wurde, der ihn 1972 entdeckte.

Von Munshausen führt der „Boetzewé“ in östlicher Richtung nach Dorscheid. Er folgt 1 km lang der 485 m Höhenlinie. Nördlich des Weges steigt die „Haart“ bis auf 516 m an. Im Südosten fällt das Gelände mit einer Höhendifferenz von über 100 m steil in die Talrinne der „Hireschbaach“. Auf diesem mit Lohhecken und unterschiedlichem Forstbestand bedeckten Steilhang befindet sich in versteckter Lage auf einem kleinen Felsvorsprung die Burganlage.

Imposanter Graben mit dahinterliegendem Wall

Durchstreift man das Gehölz in östlicher Richtung, so steht man plötzlich auf fallendem Gelände vor einem tiefen Grabeneinschnitt mit dem dahinter emporsteigenden, respektablen Wall. Etwa in der Grabenmitte entdeckt man eine rechtwinklig zum Graben stehende, niedrige Schieferwand mit Spuren alter Abschrotung. Hier scheint man Material für den Mauerbau gebrochen zu haben. Der Graben legt sich halbbogenförmig um den verhältnismäßig kleinen Bergvorsprung mit einer besiedelbaren, stark nach Osten abgesenkten Bergfläche.

Der an den Graben anschließende, um mehr als 7 m steil ansteigende Wall hat im Norden einen alten Durchlass und läuft, allmählich niedriger werdend, zum Nordrand des Plateaus hin aus. Die Höhe und die schmale Krone des Walles lassen auf ein im Kern noch hoch stehendes Mauerfundament aus Schiefer schließen. Ein Mauerbrand hat rotgeglühte, auf der Oberfläche herumliegende Schieferbrocken zurückgelassen. Spuren eines schwachen Randwalles befinden sich an der Kante des Südhanges.

Wall auf „Kukigt“

Vom Hauptplateau durch einen Geländeabsatz getrennt, befindet sich an der Ostspitze noch ein kleines, für die Bebauung wenig geeignetes dreieckiges Vorplateau.

Der mächtige Kernwall ist mit seinem einbiegenden Nordende 45 m lang und 18 m breit. Das flache Verlängerungsstück jenseits der Torlücke ist 18 m lang. Die Grabenbreite lässt sich nicht genau festlegen, da sie an eine natürlich vorgebildete Senke angelehnt ist.“

So, und nun viel Spaß, allen interessierten Lesern bei der Entdeckung dieser wundersamen, vergessenen Anlagen mitten in unseren Wäldern. Vielleicht wird es uns doch noch gelingen, einige Geheimnisse dieser Zeugen einer längst vergangenen Zeit zu lüften. Wäre doch schön!




Roland Meyer


1. Teil




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