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Kinder- und Jugendliteratur im Geschichtsunterricht

 

Anregen zum Lesen, Gelegenheiten schaffen zum Lesen sind eigentlich Aufgaben des Sprachunterrichts. Aber auch der Geschichtsunterricht kann fächerübergreifend seinen Beitrag dazu leisten.

Der Einsatz von geschichtlicher Jugendliteratur in der Schule regt das Interesse des Schülers für die Geschichte an. Erzählungen bewirken, daß seine Vorstellungsfähigkeit gefördert wird. In seinem Kopf entstehen unwillkürlich Bilder, die eine Voraussetzung sind für das Verstehen, und die den Prozess des historischen Lernens auslösen. In der Geschichte ist Vorstellungskraft wichtiger als z.B. im Geographie und Biologieunterricht, da der Schüler wenig Möglichkeiten hat, Erfahrungen aus erster Hand zu machen. Geschichte existiert nur in den Schülerköpfen und kann kaum experimentell nachvollzogen werden. Die historische Kinder- und Jugendliteratur soll wirksame Anregungen liefern zur geschichtlichen Vorstellungsbildung. Der Leser nimmt teil an historischen Ereignissen und Situationen, am Handeln, Denken und Fühlen der Menschen und baut so eine gefühlsmäßige Beziehung zu ihnen auf.

Eine gute historische Erzählung bewirkt nicht nur Anteilnahme und Betroffenheit, sie soll den Leser auch in seinem vorgefassten Urteil verunsichern, er soll sich Fragen stellen, zur Differenzierung genötigt werden. So entwickelt er kohärentere Vorstellungsbilder, als das über ausschließliches Quellenstudium möglich ist. Ziel des Geschichtsunterrichts soll ja ein kritisches und rationales Geschichtsbewußtsein sein.

Die moderne geschichtliche Jugendliteratur vermittelt nicht so sehr die Geschichte von Strukturen, wie der Geschichtsunterricht, sondern eher Alltags- und Mentalitätsgeschichte. In der ersten Hälfte des Jahrhunderts war Heroisierung von historischen Persönlichkeiten das Thema der geschichtlichen Jugendbücher. Das ist heute nicht mehr der Fall, der Akzent wird eher auf des Alltagsleben der einfachen Menschen gelegt, eine Sicht also, die in den historischen Dokumenten zu kurz kommt.

 

"Gute" historische Kinder- und Jugendliteratur

- Das geschichtliche Jugendbuch muß den historischen Erkenntnissen über die behandelte Periode entsprechen. Die Geschichte, die erzählt wird, hat sich zwar nicht so ereignet, sie könnte sich aber so ereignet haben.

- Die Erzählung muß wissenschaftlich fundiert sein. Nicht nur der Ort und die Zeit müssen historisch echt sein, aber auch die Mentalität der Handelnden. Die Akteure müssen originelle und glaubhafte Figuren sein, an ihnen darf es nicht zu einer falschen Modernisierung gekommen sein.

- Der Leser soll die Möglichkeit haben sich zu identifizieren mit den jugendlichen Protagonisten der Erzählung. Diese Identifizierung darf aber nicht so weit gehen, dass eine kritische Reflexion unterbunden wird.

- Durch die Einbeziehung mehrerer Beteiligter in unterschiedlichen Positionen soll Mutiperspektivität erreicht werden.

- Die Geschichte muss zum Nachdenken anregen. Sie soll echte Probleme aufwerfen, die nicht durch einen Zufall oder durch einen wie auch immer gearteten Eingriff von oben wie durch ein Wunder gelöst werden. Dadurch wird der Leser dazu angeregt weiter zu fragen, sich nach Beendigung der Lektüre weiter mit dem Problem zu beschäftigen.

- Die Geschichte soll spannend sein. Der Abenteuer- oder Krimicharakter der Erzählung darf nicht durch zuviele historische Einzelheiten verloren gehen.

- Daneben soll das historische Jugendbuch natürlich allen allgemeinen Qualitätskriterien der Jugendliteratur entsprechen.

Arbeiten mit historischer Kinder- und Jugendliteratur

Eine fächerübergreifende Zusammenarbeit mit dem Sprachunterricht ist wünschenswert. Ganze Bücher zu lesen ist im Unterricht aus zeitlichen Gründen schlecht möglich. Der Lehrer sollte aber versuchen, seine Schüler für die Freizeitlektüre von historischer Kinder- und Jugendliteratur zu motivieren. Im Unterricht können meist nur Auszüge gelesen werden, die dann auch besprochen und bearbeitet werden.

Es folgen einige Beispiele für Schülerarbeiten. Hier bietet sich arbeitsteilige Gruppenarbeit an.

- Die Schüler stellen gelesene Bücher vor.

- Der allgemeinen Darstellung von Strukturen im Geschichtsunterricht wird das Einzelschicksal im Buch gegenübergestellt.

- Die Schüler versuchen die Motive der handelnden Personen zu ergründen, sie legen sie in Form eines Dialoges, eines Tagebucheintrages dar. Sie erzählen die Geschichte aus der Perspektive einer anderen Person. Sie entwickeln eine "Kontrastfigur" zum Helden.

- Es werden Alternativen zur Handlung entwickelt. Was wäre geschehen, wenn...?

- Der Held wird zur Heldin (oder umgekehrt). Was ändert sich dadurch an der Geschichte?

- Die Schüler erfinden die Vor- und Nachgeschichte zum gelesenen Auszug.

- Die Geschichte wird in ein anderes Medium übertragen: Rollenspiel, Theaterspiel, Hörspiel, Zeitungsartikel, Drehbuch für einen Videofilm...

Bibliographie

Lesebuch Geschichte. Texte aus Jugendbüchern für den fächerübergreifenden Unterricht

Berlin, Cornelsen, 1996

Lesebuch Geschichte. Didaktisch-methodische Analysen, Unterrichtsmodelle, Kommentierte Bücherliste

Berlin, Cornelsen, 1996

Reeken, Dietmar von: Das historische Jugendbuch

in: Pandel H.J. / Schneider G. (Hrsg.): Handbuch Medien im Geschichtsunterricht

Schwalbach, Wochenschau Verlag, 1999

Sauer Michael: Historische Kinder- und Jugendliteratur

in: Geschichte lernen, Heft 71, September 1999, Seelze, Friedrich Verlag

Veit Georg: Historische Jugendliteratur

in: Bergmann Klaus e.a.: Handbuch der Geschichtsdidaktik

Seelze-Velber, Kallmeyer, 1997


zur Buchauswahl

 

Haben Sie als Lehrer schon Erfahrungen gemacht mit geschichtlicher Kinder- und Jugendliteratur? Haben Sie vielleicht schon ein solches Buch in Ihrer Klasse behandelt? Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen mit. Wir werden sie gerne an dieser Stelle veröffentlichen.





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