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Die Kelten: ein Lesetext

 

Vor 2500 Jahren war Europa keltisch! Von Irland bis zum Schwarzen Meer waren wilde Krieger an der Macht, die ihre Feinde köpften und von geheimnisvollen Druiden gelenkt wurden. Erst die Weltmacht Rom konnte sie aufhalten.

Sie lieben Köpfe! Aus Stein gehauen, aus Bronze oder Gold gegossen; aber auch ganz real im Krieg: als Trophäen!!!

Wenn die Kelten ihre Gegner besiegt haben, schlagen sie deren Köpfe ab, hängen sie stolz an das Zaumzeug ihrer Pferde und nageln sie später über die Türen ihrer Häuser.

Diese blutige Beute ist jedoch mehr als nur Beweis der eigenen Tapferkeit. Der Kopf ist den Kelten heilig - er gilt als Sitz des Lebens und der Seele. Deshalb kann er nach dem Tod, so glauben die Kelten, seinem neuen Besitzer die stärke des toten Gegners übertragen.

Die Kelten denken allerdings nicht viel nach, sie sind in dem Sinne also keine "Kopfmenschen". Im Gegenteil, sie leben und handeln unüberlegt und unberechenbar, sie sind leicht reizbar und immer kampfbereit.

Der griechische Geschichtsschreiber Diodor beschreibt sie so: " Sie bieten einen furchterregenden Anblick. Sie sind hochgewachsen, mit spielenden Muskeln unter weisser Haut. Ihr Haar ist nicht nur von Natur aus blond, sie bleichen es auch auf künstliche Weise, waschen es in Kalkwasser und kämmen es von der Stirn aus nach oben zurück. Daher ähneln sie den Waldteufeln."

Ausserdem stürzen sich diese "ersten Punker" der Geschichte mit nacktem Körper in den Kampf.

Die Römer trauten ihren Augen nicht, als diese papageienbunten Kelten, mit ihren gipsgestärkten, zu Berge stehenden Haaren und langen Knebelbärten zum ersten Mal bei ihnen auftauchten: Während die Römer noch staunten, veranstalteten die Kelten plötzlich mit Kriegshörnern und wildem Geschrei ein ungeheures Getöse, rissen sich die Kleider vom Leib - und griffen an. Die sonst so tapferen römischen Soldaten verloren die Fassung und brachten sich Hals über Kopf in Sicherheit.

Die Kelten sind sehr selbstbewusste Menschen: "Wovor fürchtet ihr euch am meisten?" fragte einmal der griechische König Alexander der Grosse einige gefangene Kelten. Und statt den Namen Alexanders zu nennen, antworteten sie: "Dass uns der Himmel auf den Kopf fällt."

Die Leser von "Asterix und Obelix" kennen diesen Spruch, und sie wissen auch, dass die Kelten bei den Römern Gallier hiessen. Und sie kennen natürlich Miraculix , jenen alten Druiden, der seinen Leuten vor jedem Kampf einen Zaubertrank mixt, um sie unbesiegbar zu machen.

Druiden können natürlich keine Zaubertränke brauen, doch sie sind Priester. Sie bewahren religiöse Geheimlehren, wirken als Heiler, Richter und Sterndeuter. Vor jedem Kampf verabreichen sie den keltischen Kriegern ein "seelisches Doping": Bevor die Kämpfer in den Krieg ziehen, müssen sie sich aufputschen, mit den Klängen misstönender Trompetenhörner, durch unglaubliches Geschrei und rhythmisches Schlagen der Schwerter auf die Schilde. So wird die Kamfeslust bis zur Raserei hochgetrieben und die Männer werden auf diese Weise so fanatisch, dass sie ohne zu zögern ihr Leben opfern. Das Sterben fällt ihnen nicht schwer, da die Druiden ihnen ein Weiterleben nach dem Tode versprochen haben.

Trotz dieser Kampfvorbereitungen gelingt es den Römern schliesslich die Kelten zurückzudrängen. Sie bauen nun befestigte Burgen und Städte. Eine der grössten Siedlungen haben die Archäologen auf dem Gebiet des Titelbergs gefunden. Zum Schutz ihrer Stadt haben die Kelten lange Mauern gebaut - aus Balken, die mit Nägeln zu grossen Kästen gezimmert wurden. Als Füllstoff enthalten sie Steine und Erde. Wissenschaftler haben errechnet, dass für den Bau dieser Mauer rund 70000 Bäume gefällt wurden.

Die hinter der Mauer liegende Stadt ist in mehrere Bezirke unterteilt: Eisenschmiede, Töpfer und andere Handwerker wohnen in einem Stadtteil, Bauern mit ihren Rindern, Schweinen und Schafen in einem anderen. Auch für Tempel ( = die Kirchen der Vergangenheit ) und Fürstenwohnungen gibt es eigene Bereiche.

Die Häuser bestehen zum grössten Teil aus Holz, ihre Wände aus zusammengeflechteten Ruten, die mit Lehm beschmiert sind.

Obwohl die Kelten geschickte Künstler, erfindungsreiche Handwerker und mutige Krieger waren, so konnten sie den Römern auf Dauer doch nicht widerstehen. Der militärisch kaltblütig kalkulierende Ceasar erkannte, dass es den Kelten an einer entscheidenden Eigenschaft fehlte: der Disziplin! Das heisst, dass sie sich zwar heldenhaft in den Kampf stürzten, dass es ihnen aber auch an dem nötigen Überblick mangelte. Vor allem verloren sie schnell die Lust am Kampf, wenn sie merkten, dass es schwer für sie wurde. Sie hatten keine "Ausdauer im Unglück"! Im Gegensatz zu den Römern, war ihr Reich in viele kleine Einzelstaaten aufgeteilt, mit jeweils verschiedenen Fürsten an der Spitze. So ist das gemeinsame Handeln, das die Römer ja so perfekt beherrschten, für sie ein grosses Problem. Caesar gelingt es schliesslich schnell, die Kelten zu besiegen!



Dieser Text basiert auf dem Artikel "Die Kelten: Kopfjäger und Zauberer herrschten über Europa" aus P.M. Perspektive; Versunkene Kulturen 93/034 und wurde von Paul Hamen, einem Schüler des 6. Schuljahres, neu geschrieben!
1) Wie werden die Kelten in diesem Text dargestellt? Schreibe alle eher negativen Ausdrücke und alle eher positiven Ausdrücke in zwei Listen auf!
2) Dieser Text beruft sich auf Schriftsteller, welche Feinde der Kelten waren; Diodor und Alexander waren Griechen, Ceasar war Römer! Warum haben sie die Kelten wohl auf diese Art und Weise dargestellt?
3) Versuche weiteres Material über die Kelten zu sammeln und Texte zu schreiben, bei denen mehr positive als negative Ausdrücke vorkommen! Vielleicht kannst du uns die Texte zusenden? Wir werden sie an dieser Stelle veröffentlichen!
Viel Spass beim Lesen, Sammeln und Schreiben!




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