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Rollenspiele im Geschichtsunterricht



Warum Rollenspiele in der Geschichte?

Das Rollenspiel ist ein kreatives Ausdrucksmittel, das in unserer Schule nicht fehlen darf. Es fördert die körperlichen und sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten der Schüler, unterstützt ihr Vorstellungsvermögen und ist ein ideales Training für soziales Handeln. Die Schüler erhalten die Möglichkeit, sich mit den dargestellten Problemen auseinanderzusetzen, sie zu analysieren und sie zu begreifen. Das Rollenspiel zeigt damit die verschiedenen Wege auf, die zur Lösung dieser Probleme führen können.

Das geschichtliche Rollenspiel macht den Schülern die Vergangenheit begreifbar. Sie verstehen die Motive, die zu historischem Handeln geführt haben und können die Folgen nachvollziehen. Die Personen, die gespielt werden, werden in der ihnen eigenen Welt dargestellt. Das ermöglicht den Schülern das Warum ihres Handelns zu erforschen und zu verstehen. Sie begreifen, wie die einzelnen Aktionen zusammenhängen und welche Folgen daraus entstehen.

Nicht zu unterschätzen ist auch, dass das Rollenspiel die Schüler begeistert und damit ihr Interesse an historischen Themen weckt.

Welche Themen eignen sich für ein Rollenspiel?

- Geschichtliche Konflikte

Das Rollenspiel ist ein ideales Medium, geschichtliche Konflikte darzustellen. Es gibt den Schülern die Möglichkeit, die verschiedenen Interessen, die aufeinanderstoßen, darzustellen.

Beispiel: Die Pflichten des Bauern gegenüber seinem Herrn im Mittelalter

- Die Gesellschaftsformen

Für die Schüler sind die Gesellschaftsformen aus früheren Zeiten oft nur schwer zu durchblicken. Ein Rollenspiel zeigt ihnen die Funktionen der damaligen Gesellschaftsschichten.

Beispiel: Welche Folgen hat der Aufruf des fränkischen Königs zum Krieg für die einzelnen Schichten der damaligen Gesellschaft?

- Ein alltägliches Ereignis in früheren Zeiten

Beispiel: Essenszubereitung im Mittelalter. Die Besorgung der verschiedenen Nahrungsmittel, ihr Transport, ihre Konservierung, ihre Sicherung vor Diebstahl, die Trinkwasserbesorgung, die Zubereitung der Mahlzeit und ihr Verzehr.

- Die Rolle der verschiedenen Räume einer Behausung

Beispiel: In jedem Teil der mittelalterlichen Burg spielt eine kleine Szene, die typisch ist für diesen Raum.

- Die Darstellung der Normen in einer bestimmten Gesellschaft anhand des jeweiligen Gegenteils.

Beispiel: Ein Adliger hat 2 Söhne. Der erste benimmt sich nach dem Moralkodex aus seiner Zeit (mutig, autoritär...), der andere benimmt sich gar nicht wie ein echter Ritter (furchtsam, demütig...).

Die Mittel der Darstellung

Mittel, die der Schüler hat, um die Person sichtbar zu machen, die er spielen soll:

- die Mimik (das lachende, weinende, wutverzerrte Gesicht....)

- die Gestik (der drohende Finger, die geballte Faust....)

- die Körpersprache (die kalte Schulter zeigen, mit stolz geschwellter Brust....)

- die Sprache (die Aussage, der Klang der Stimme....)

- die Handlungen (hin- und herlaufen, eine Schlägerei....)

Um eine Person lebensecht zu spielen, bedarf es ihrer vorherigen Charakterisierung:

- die äußere Erscheinung (zerlumpt, ordentlich gekleidet....)

- die charakterlichen Eigenschaften (streng, ängstlich....)

- der Beruf (Soldat, Handwerker...)

- der Name (er soll schon etwas über die Person aussagen)

- Status in der Gesellschaft (Ritter, Knecht...)

Die Darstellung des Orts, wo die Szene spielt, ist beim Rollenspiel meist sehr einfach gehalten. Ein symbolischer Gegenstand (Topf = Küche), eine Geste oder ein paar Worte müssen genügen den Ort zu charakterisieren. Auch die Requisiten, die zum Spiel benötigt werden, kann man wenigstens zum Teil durch Gesten andeuten. Tiere (das Pferd des Ritters) können auch von Mitschülern gespielt werden.

Die Formen des Rollenspiels

1. Das vorbereitete Rollenspiel

Schüler, für die das Rollenspiel eine eher ungewohnte Übung ist, sind wohl überfordert, wenn sie gleich eine Rolle improvisieren sollen. Ihnen gibt man die nötige Sicherheit, wenn man sie das Spiel in allen Einzelheiten vorbereiten lässt.

Die Klasse bildet Gruppen von 2 bis 4 Schülern. Zuerst werden in jeder Grupper die Rollen verteilt. Jeder Schüler entwickelt seine eigene Rolle, er formuliert, was er tun und sagen will. Ein Sekretär notiert die einzelnen Vorschläge und so entwickelt sich eine kleine Szene. Danach besorgen die Schüler die benötigten Requisiten, sie lernen ihre Rolle auswendig, proben sie und spielen sie vor der Klasse.

2. Das improvisierte Rollenspiel

Schüler, die in punkto Rollenspiel schon über eine gewisse Kompetenz verfügen, es eventuell schon im Sprachunterricht geübt haben, können auf eine bis in die Einzelheiten gehende Vorbereitung verzichten. Aber dennoch muss der Lehrer sich bewusst sein, dass ein Rollenspiel nicht ganz ohne Vorbereitung auskommt. Auf jeden Fall sollen die Schüler aktiv an der Spielgestaltung beteiligt werden, sie sollen die Möglichkeit haben ihre eigenen Ideen und Vorstellungen zu entwickeln.

Die Darsteller, ev. unterstützt vom Lehrer, entwerfen ein Gerüst, einen roten Faden" für das Spiel. Der Inhalt, der grobe Handlungsablauf sowie die Charaktere der einzelnen Mitwirkenden müssen im voraus fixiert werden. Jeder Mitspieler soll am besten seine Rolle selbst auswählen. Dann beraten die Schüler über die Mittel, wie die Personen dargestellt werden können und arbeiten die Motive des Handelns jedes einzelnen heraus. Ob Proben notwendig sind hängt von der Spielerfahrung der Mitspieler ab.

Die Schüler sprechen nicht ihre eigenen Gedanken und Gefühle aus aber diejenigen der Person, die sie spielen. Dadurch werden sie sich der gespielten Problematik besser bewusst. Sie identifizieren sich in größerem Ausmaß mit der dargestellten Person.

3. Das Planspiel

Unter Planspiel versteht man die Simulation, die Nachahmung der Realität in einem Modell. Das Planspiel macht komplizierte und abstrakte Zusammenhänge für den Schüler nachvollziehbar. Es bietet sich an um komplexe Problemstellungen, in die entgegengesetzte Standpunkte hineinspielen, durchschaubar zu machen. Jeder Teilnehmer spielt eine andere Rolle im System, hat also andere Ansichten, die sich teilweise widersprechen. Eine Lösung ist nur möglich bei einem Zusammenspiel aller Partner, bei der Berücksichtigung aller Meinungen, bei Rücksichtnahme auf die Position des anderen ohne die eigene völlig zu opfern.

Beispiel: In einer Gemeinderatssitzung wird darüber beraten, ob auf einem noch freien Platz ein Spielplatz eingerichtet wird oder ob ein Wohnhaus dort errichtet wird.

Voraussetzung für das Gelingen des Planspiels ist eine gute Vorbereitung. Die Positionen der beteiligten Parteien müssen festgelegt werden, ihre Motive müssen klar herausgearbeitet werden.

Bibliographie

Betty Lowndes: Erstes Theaterspielen mit Kindern Ravensburg, Otto Mayer Verlag, 1979

Sylvia Schopf: Burg-Theater - Geschichte erspielen Mainz, Matthias-Grünewald-Verlag, 1993

Peter Thiesen: Drauflosspieltheater Weinheim und Basel, Beltz Verlag, 1993



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