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Besichtigungen



Bei der geschichtlichen Besichtigung wird ein bestimmtes Thema erschlossen durch die Arbeit an resp. mit originalen Sachquellen außerhalb der Schule. Das Studium der Sachquellen hat den Vorteil anschaulich und handlungsorientiert zu sein und macht partnerschaftliches und fächerübergreifendes Arbeiten möglich.

Historische Stätten
Historische Stätten sind Vergangenheit, die in die Gegenwart hineinragt und die wir als Ausgangspunkt nehmen, um ein bestimmtes geschichtliches Thema zu erschließen. Sie sind Orte, an denen sich besonders wichtige Begebenheiten ereignet haben. An diesen Stellen können die Schüler ebenfalls geschichtliche Strukturen erfahren, die Rahmen für menschliches Handeln waren (z.B. Hinzert - das Unterdrückungssystem der Nazidiktatur). Historische Stätten vermitteln allerdings selten ein vollständiges Bild des behandelten Themas. Der Rückgriff auf andere Quellenarten (Schrift- und Bildquellen) ist dazu Voraussetzung.

Die Schüler können die historischen Stätten in ihrer Gesamtheit erkunden resp. nur das eine oder andere Element davon. Sie setzen sich mit der Funktion der Stätte auseinander, sie versuchen z.B. die Arbeitsabläufe zu rekonstruieren, die in den verschiedenen Teilen der mittelalterlichen Burg abliefen. Die Lage und die Art der einzelnen Bauelemente verschafft einen Einblick in die militärischen, wirtschaftlichen und sozialen Aspekte der Burg. Umbauten oder Ausbauten zeigen auf politische oder wirtschaftliche Veränderungen hin. Der Vergleich mit anderen Burgen oder mit schriftlichen Unterlagen erlaubt es das Typische, das alle Burgen gemeinsam haben, resp. das Besondere an dieser Burg herauszuarbeiten. Gerichtsplatz und Burgkapelle erlauben einen Einblick in Justiz und Religion im Mittelalter.

Voraussetzung für eine solche Vorgehensweise ist ein gewisses historische Grundwissen der Schüler. Auch muss der Lehrer im voraus einen Katalog von Fragen und Hinweisen entwickeln mit deren Hilfe die Schüler die Erforschung der Stätte in Angriff nehmen. Sie riskieren nämlich die Übersicht zu verlieren und von den vielen neu auf sie einstürzenden Eindrücken erschlagen zu werden. Die Fragen könnten in etwa folgendermaßen lauten:
  Wo liegt die Burg?
  Warum gerade dort?
  Vergleiche mit der Lage anderer Burgen, die du kennst!
  Welche Funktion hatte die Burg, hatten die einzelnen Teile der Burg?
  Woraus kann man das schließen?
  Aus welchem Material ist sie erbaut?
  Wer hat sie erbauen lassen?
  Wer hat den Bau ausgeführt?
  Gibt es Hinweise auf Umbau oder Ausbau der Burg?
  Welche Hinweise finden wir über die Einwohner der Burg?
   etc.


Bei der Erkundung einer historischen Stätte werden die Schüler, geleitet vom Fragenkatalog, an Sachquellen herangeführt. Am Lehrer ist es, die Auswahl der Fragen und der zu untersuchenden Quellen so zu gestalten, dass die gestellten Aufgaben von den Schülern zu bewältigen sind. Diese sollen befähigt werden, selbstständig an die Erkundung der historischen Stätte heranzugehen. Ziel ist nicht nur ein persönlicher Wissenszuwachs im Bereich des studierten Themas, Ziel ist auch das Erlernen einer Vorgehensweise und die Erziehung zu selbstständiger Arbeit.

Es ist auch möglich eine historische Stätte zu besichtigen als Einstieg in das zu behandelnde Thema. In dem Fall kann man allerdings nicht auf nennenswertes geschichtliches Vorwissen der Schüler bauen. Ziel einer solchen Besichtigung ist es, die Schüler neugierig zu machen, sie dazu zu bringen Fragen zu stellen und Hypothesen aufzustellen. Die Überprüfung dieser Hypothesen erfolgt dann im weiteren Geschichtsunterricht mit Hilfe von Text- und Bildquellen.

In den letzten Jahren sind eine Reihe Lehrpfade entstanden. Auf einem festgelegten Weg wird eine bestimmte Thematik an einer Reihe von Haltepunkten behandelt. Normalerweise wird schriftliches Informationsmaterial zur Verfügung gestellt, so dass der Lehrpfad ohne Führungspersonal abgegangen werden kann. Wieder ist es am Lehrer, durch eine kluge Fragestellung die Arbeit der Schüler so zu lenken, dass eine optimale Wirkung erzielt wird.

Museum und Austellung
Die Funktion des historischen Museums ist vielfältig. Es sammelt die materiellen Relikte der Vergangenheit, erforscht sie und bewahrt sie auf. Eine weitere Aufgabe ist die Ausstellung eines Teils des gesammelten Fundus und damit die Vermittlung von historischem Wissen an die Öffentlichkeit. Die historische Ausstellung beschränkt sich auf die Ausstellung und Wissensvermittlung.

Ausstellen kann man alle möglichen Gegenstände, die vom Menschen hergestellt wurden. Dabei werden die Exponate nicht als Einzelobjekte vorgestellt, sie erscheinen vielmehr als Teil eines Gesamtarrangements. Die einzelnen Relikte werden mit anderen Quellen zusammen präsentiert, die sie ergänzen, erklären, vervollständigen. Die Vermittlung historischen Wissens erfolgt nicht nur durch die Ausstellung des Einzelobjekts, aber auch durch erläuternde Texte und durch das ganze Beziehungsgeflecht, in das die Exponate eingebunden sind.

Der Umgang mit dem Museum ist eine Kompetenz, die man bei den Schülern nicht voraussetzen kann. Ideal ist, wenn die Schüler die Möglichkeit erhalten, hinter die Kulissen eines historischen Museum zu sehen. Dabei können sie Antwort finden auf die folgenden Fragen:
  Wer arbeitet im Museum?
  Aus welchen Abteilungen besteht das Museum?
  Welches sind die Funktionen der einzelnen Abteilungen?
  Wie kommt ein Objekt ins Museum?
  Was wird ausgestellt?
  Warum wird nicht alles ausgestellt?
  etc.


Ein Museumsbesuch bringt Abwechslung in den schulischen Alltag und wirkt sich dadurch motivierend auf die Schüler aus. Das Konkrete, das Anschauliche im Museum fördert das Vorstellungsvermögen der Schüler. Lernen ist ein situativer Prozess, die Erkenntnisse, die im Museum erlangt werden, werden verstärkt durch die außergewöhnliche und für die Schüler angenehme Situation und hinterlassen damit ein dauerhaftes Erinnerungsbild.

Ein geführter Rundgang mit Vortrag langweilt die Schüler, die bald abschalten. Wichtig ist, dass die Schüler sich den Zugang zu den ausgestellten Objekten selbst erschließen. Deshalb muss der Museumsbesuch gründlich vom Lehrer vorbereitet werden. Er wählt ein begrenztes Sortiment von Exponaten aus und arbeitet einen Frage- und Hinweisekatalog aus, mit dessen Hilfe die Schüler die Sachquellen selbstständig erkunden sollen. Diese Auswahl zielt sowohl auf das Erfahrungsnahe, das mit Hilfe ihres Vorwissens leicht von den Schülern zu entschlüsseln ist, als auch auf das Fremde, das Exotische, das als zusätzlicher Anreiz dienen kann. Es ist wertvoller wenige Aspekte gezielt zu behandeln als den großen „Überblick“ zu versuchen, der Schüler in dem Alter klar überfordert. Diese brauchen genügend Zeit, um aus ihren Beobachtungen Schlüsse zu ziehen und weiterreichende Fragen zu stellen. Diese Fragen zu beantworten und über den Ablauf der Besichtigung nachzudenken gehört zur Nachbearbeitung im Klassensaal. Ziel dieser Manöverkritik soll es auch sein, die Schüler schrittweise dazu zu bringen, eigene Verhaltensweisen und Arbeitsmethoden zu entwickeln.

Bibliographie
Heinrich Theodor Grütter: Die historische Ausstellung in: Klaus Bergmann e.a.: Handbuch der Geschichtsdidaktik Seelze-Velber, Kallmeyer'sche Verlagsbuchhandlung GmbH, 1997

Heinrich Theodor Grütter: Geschichte im Museum in: Klaus Bergmann e.a.: Handbuch der Geschichtsdidaktik Seelze-Velber, Kallmeyer'sche Verlagsbuchhandlung GmbH, 1997

Bernd Hey: Exkursionen, Lehrpfade, alternative Stadterkundungen in: Klaus Bergmann e.a.: Handbuch der Geschichtsdidaktik Seelze-Velber, Kallmeyer'sche Verlagsbuchhandlung GmbH, 1997

Andreas Michler: Museum und Ausstellung in: Waltraud Schreiber (Hrsg.): Erste Begegnungen mit Geschichte. Grundlagen historischen Lernens. Band 1 Neuried, Ars una, 1999

Waltraud Schreiber: Geschichte lernen an historischen Stätten: die historische Exkursion in: Waltraud Schreiber (Hrsg.): Erste Begegnungen mit Geschichte. Grundlagen historischen Lernens. Band 1 Neuried, Ars una, 1999
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