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Lehrerinformation
SachquellenSachquellen sind überlieferte Gegenstände resp. Überreste aus denen historische Informationen über die Zeit ihrer Entstehung und Verwendung gewonnen werden können. Diese Relikte gibt es in vielfältiger Form: Werkzeuge, Maschinen, Fahrzeuge, Kleidung, Schmuck, Denkmäler, Gebäude, Gräber.... Kopien und Modelle zählen nur bedingt als Sachquellen, für den Unterricht können sie aber von großer Bedeutung sein. Verglichen mit den Schrift- und Bildquellen sind die gegenständlichen Quellen anschaulich und konkret. Die Schüler können sie nicht nur ansehen, sie haben auch die Möglichkeit sie anzufassen, zu manipulieren, ihre ehemalige Funktion nachzuvollziehen. Ihre Zugänglichkeit hängt nicht von der sprachlichen Kompetenz der Schüler ab, sie eignen sich dadurch besonders für Klassen mit hohem Ausländeranteil. Sie sind ein unmittelbarer, authentischer Zugang zur Vergangenheit, gewinnen dadurch eine emotionale Dimension und haben somit eine höhere Motivationskraft als andere Quellenarten. Allerdings sind Sachquellen oft aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gerissen und lassen ihre Entstehung und Verwendung nicht direkt erkennen. Diese müssen erst dechiffriert werden vom Schüler, der sich damit in die Rolle des erkundenden Forschers begibt. Die Schüler schauen sich das Objekt an, untersuchen es und stellen Vermutungen zu seiner Entstehung und Funktion an. Sie experimentieren damit mit dem Ziel herauszufinden, ob ihre Hypothese stimmt. Schließlich formulieren sie das Resultat ihrer Untersuchungen. Der eigentliche didaktische Wert der Sachquelle liegt in der Möglichkeit sie zu erproben und/oder nachzugestalten. Die Sachquelle erlaubt einen handlungsorientierten Unterricht, der dem Bedürfnis nach Anschauung und Konkretheit des Primärschülers entgegenkommt. Die Arbeit mit gegenständlichen Quellen ist ideal als erster Zugang zur Geschichte, sei es im Eveil-Unterricht des Mittelgrades, sei es im Geschichtsunterricht des Obergrades. Indem der Schüler genauso vorgeht wie ein Wissenschaftler, erfährt er, wie das historische Wissen zustande kommt. Er lernt auch, dass die Untersuchung und die Manipulation des Studienobjekts nicht immer klare und eindeutige Antworten gibt, dass man noch andere Quellen hinzuziehen muss und dass der Historiker sich manchmal mit Vermutungen zufrieden geben muss. Der Schüler begreift, dass die Sachquellen eine wesentliche Rolle spielen bei der Erforschung von Zeitabschnitten, in denen es noch keine Schrift gab, oder bei Bevölkerungsgruppen, die sich nicht schriftlich ausdrückten. Das Sachquellenstudium ist eine kindsgerechte Annäherung an den Geschichtsunterricht. Es kann seine Wirksamkeit umso besser entfalten, je exakter der Unterricht geplant ist. Der Lehrer liefert den Schülern eine Reihe Fragen oder Anregungen, die ihnen helfen sollen, den historischen Gegenstand zu untersuchen: Aus welchem Material ist der Gegenstand? Wie groß ist er? Welche Form hat er? Welche Funktion hatte er? Wer benutzte ihn? Welche Erleichterung stellte der Gegenstand damals dar? Welche Schwierigkeiten gab es bei der Benutzung? Benutzen wir heute einen ähnlichen Gegenstand? Wer konnte sich einen solchen Gegenstand leisten? Wer nicht? etc. Bei der Untersuchung von Gebäuden könnte man die folgenden Fragen stellen: Aus welchem Material ist das Gebäude gebaut? Wie hoch, breit, lang ist es? Welche Fläche nimmt es ein? Aus welchen Teilen besteht es? Welche Stilmerkmale sind zu erkennen? Welche Funktionen hatte das Gebäude? Wozu wird es heute benutzt etc. Danach könnte man den Schülern die Aufgabe geben, die einzelnen Teile des Gebäudes oder die besonderen Stilmerkmale aufzulisten, die Fassade oder den Grundriss zu skizzieren, das Gebäude und die einzelnen Teile zu fotografieren, Inschriften abzuschreiben und sie ev. zu entziffern versuchen.... Der schulische Wert von Kopien und Modellen steht demjenigen von Originalen nicht nach. Kopien haben sogar den Vorteil, dass sie ersetzbar und weniger wertvoll sind. Die Schüler können also ohne Hemmungen und Ängste damit hantieren. An Modellen erkunden sie die Form und die Funktionen des Originals. Die Modelle können übrigens von den Schülern selbst im Bastelunterricht hergestellt werden. Sachquellen lassen sich in praktisch jeder Einheit des Geschichtsunterrichts einsetzen, das Problem ist nur: Sie sind nicht immer vorhanden. Zur Verfügung stehen den Klassen eine Reihe Koffer mit Kopien von Geräten aus der Steinzeit: Steingeräte, Speerschleuder, Feuerzeug, Farben für Höhlenmalerei, Tongefäße, Sichel, Mühlsteine etc. Sie ermöglichen ein handlungsorientiertes Erarbeiten der Alt- und Jungsteinzeit. Altes Haushalts- oder Handwerksgerät ist noch in manchen Speichern oder Schuppen aufzutreiben. Die Schüler leihen sich die Geräte aus und bringen sie mit zur Schule. Damit können sie nachvollziehen, wie die Hausfrau, der Handwerker oder der Bauer früher gearbeitet haben. Gebäude als Sachquellen gibt es unter anderem für die Römerzeit (Dalheim, Trier), das Mittelalter (Burg, Altstadt Luxemburg) und für die Neuzeit (Festung Luxemburg). Bibliographie Gerhard Schneider: Gegenständliche Quellen in: Hans-Jürgen Pandel e.a. (Hrsg.): Handbuch Medien im Geschichtsunterricht Schwalbach/Ts., Wochenschau Verlag, 1999 Winfried Stadtmüller: Sachquellen in: Waltraud Schreiber (Hrsg.): Erste Begegnungen mit Geschichte. Grundlagen historischen Lernens. Band 1 Neuried, Ars una, 1999 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||