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1. Absichten des Lernunterrichtes

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2. Lernen = Aufbau des Wissens

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Lehrerinformation

Lernen = Aufbau des Wissens



Wissen wird nicht einfach erworben, sondern aufgebaut. Auf der Basis des vorhandenen Wissens interpretiert der Mensch die neuen Informationen. Dadurch verändern diese das Vorwissen, um schließlich in ihm integriert zu werden. Der Lernende konstruiert also sein Wissen auf der Basis seiner Erfahrungen, seines Vorwissens, seiner Denkmuster etc selbst. Das Wissen ist wie ein Gerüst, an dem ständig, infolge neuer Informationen, weitergebaut wird.

Das Wissen ist nicht nur in sprachlichen Begriffen, sondern auch in visuellen Vorstellungen gespeichert. Solche Modelle können nicht einfach mündlich vom Lehrer vermittelt werden. Sie müssen im Unterricht in vielen unterschiedlichen Situationen aufgebaut und verfeinert werden.

Stimmt beim Lernenden das Modell nicht mehr mit den neuen Informationen überein, so wird es durch die Integration neuer Informationen verändert. Der Lernende konstruiert auf diese Weise sein Wissen immer wieder neu. So schreitet der Wissensaufbau voran.

Der Wissensaufbau ist ein aktiver, selbstgesteuerter, konstruktiver, sozialer und situativer Prozess.

- Ein aktiver und selbstgesteuerter Prozess.

Motor des Wissensaufbaus ist die aktive Beteiligung, das Interesse des Lernenden. Auf der Basis des vorhandenen Wissens interpretiert er die neuen Informationen, er integriert sie und verändert damit sein eigenes Wissen.

Der Wissensaufbau hängt davon ab, wie es dem Lernenden gelingt, sein eigenes Lernen zu steuern und zu kontrollieren. Es kann nur in beschränktem Maße vom Lehrer gelenkt werden. Der Schüler steuert seine Denkwege und Interpretationen weitgehend selbst.

Es ist ein Irrtum zu erwarten, daß der Schüler gleich jedes Thema in seiner Ganzheit erfassen. Die erste Etappe kann nur eine Annäherung sein, die durch spätere Erfahrungen ausgebaut wird.

Die Folgen für den Unterricht liegen auf der Hand: Die Schüler sollen schon in den Planungsprozess des Unterrichts mit einbezogen werden. Ihre Fragen und Interessen bestimmen auch weitgehend den weiteren Unterrichtsverlauf.

Nach einer gemeinsamen Unterrichtsphase sollen offene Lernsituationen arrangiert werden, da diese ein hohes Maß an Aktivität und Selbststeuerung durch die Schüler zulassen. Die Rolle des Lehrers besteht weitgehend in der Unterstützung, in der Bereitstellung von Material, in Anregungen und Anstößen...

Die Schüler sollen selbständig bestimmte Detailfragen zum Thema erarbeiten, Hypothesen zu einer Problemlösung formulieren und überprüfen, Fragen durch Nachforschung klären, Zeichnungen, Modelle oder Statistiken anfertigen.

Auf diese Art können die Schüler dazu gebracht werden, daß sie sich auch außerhalb der Schule mit dem Thema auseinandersetzen, indem sie Eltern oder Fachleute dazu befragen, Material in den Unterricht mitbringen.

- Ein konstruktiver Prozess

Ein differenziertes Vorwissen ist die beste Voraussetzung für die Integration neuen Wissens. Je mehr Vorerfahrungen der Schüler hat, desto intensiver kann er vom Lernangebot der Schule profitieren. Auf der Basis dieses Vorwissens interpretiert er die neuen Informationen und Erfahrungen.

Vorwissen resp. Vorverständnis ist der Ausgangspunkt für weiterführendes Lernen. Neue Erfahrungen, verknüpft mit dem bisherigen Wissen, bringen neues Wissen. Ein Unterricht, der zum Handeln, Entdecken, Experimentieren, Forschen anregt, bietet den Schülern Gelegenheit zu eigenen (geistigen) Konstruktionen.

Beim Thema "mittelalterliche Burg" z.B. bringen die Schüler sehr unterschiedliche Vorstellungen mit. Sie interpretieren die Informationen des Lehrers also auch ganz unterschiedlich. Daraus folgt, daß die Schüler sehr unterschiedliche Lernergebnisse erzielen. Fehler sind in diesem Fall nicht falsche Lösungen, aber, wie oben angeführt, Resultate eines Denkprozesses, der für den Schüler plausibel ist. Es gibt also mehr mögliche Wahrheiten, je nachdem aus welcher Perspektive das Thema gesehen wird.

- Ein sozialer Prozess

Kooperatives Lernen ist von besonderer Bedeutung. Lernen in der Gruppe regt zu gedanklicher Aktivität an. Die Lernenden artikulieren und vertreten ihren Standpunkt, das Vorwissen der anderen wird mitgenutzt.

Interaktionsprozesse zwischen Schülern und Lehrern aber besonders zwischen den Schülern untereinander beeinflussen den Aufbau des Wissens. Die verschiedenen Kinder haben unterschiedliche Standpunkte, die zu akzeptieren eine gewisse Toleranz verlangt. Der Gedankenaustausch verhilft zu komplexeren Sichtweisen. Das Lernen geschieht nicht mehr ausschließlich über den Lehrer; der "sozio-kognitive Konflikt" zwischen den Schülern dynamisiert und bereichert das Lernen.

- Ein situativer Prozess

Das Wissen wird mit der Lernsituation verknüpft im Gedächtnis gespeichert. Der Anwendung des Gelernten in verschiedenen Situationen muß die besondere Aufmerksamkeit im Unterricht gelten.

Ziel des Geschichtsunterrichts kann nicht nur die Prüfung sein. Vielmehr sollen die Schüler erfahren, daß das Erlernte auch und besonders für ihren Lebensalltag relevant ist. Damit wird das Thema zu einer authentischen Frage, deren Antwort die Schüler interessiert und die ihnen ein Wissen bringt, das sie besitzen wollen.

Bei vielen Schülern ist das Wissen zwar vorhanden, aber es kann nicht zur Lösung von Problemen eingesetzt werden. Man spricht von "trägem Wissen". Das Lernen von speziellen Strategien, die das Erkennen von Ähnlichkeiten mit gespeichertem Wissen erlauben, erleichtern den Zugriff auf das Wissen. Nur oberflächlich verstandenes Wissen wird in "Schubladen" abgelegt und nicht in das Wissensgerüst integriert. Ist der Aufbau von Wissen zu eng verknüpft mit der Lernsituation, wird der Transfer auf andere Kontexte verhindert.

Was kann die Schule tun, um diesem trägen Wissen entgegenzuwirken? Entdeckendes Lernen, handlungs- oder schülerorientierter Unterricht, Projektunterricht... sind Unterrichtsformen, die träges Wissen weitgehend verhindern helfen.

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